Heute bin ich als Fußgänger unterwegs. Auch mal ganz schön. Die Klamotten mal nicht praktisch und radtauglich. Kein Helm auf dem Kopf. Keine Bange, mit dem Rad nicht in die S-Bahn in der Rush-Hour zu kommen oder beim Versuch unsachliche Diskussionen führen zu müssen. Kein Rangieren und Sortieren an jeder Station.
Ich steige in Adlershof in die S8. Das sind in der Regel Züge einer ganz bestimmten Baureihe, in denen es für Fahrräder (und Kinderwagen und Rollstühle) eine Ecke direkt neben der Tür mit zwei Klappsitzen gibt. Auf der anderen Seite gibt es den normalen Vierer. An den Scheiben auf beiden Seiten des Zuges prangt das Rad-Piktogramm. Mehr als zwei Räder passen da nicht hin. Und dann ist einer der Klappsitze auch schon nicht mehr benutzbar.
Ich steige also als Fußgänger ein – gemeinsam mit einer Frau ohne Rad, die ich noch nicht kenne. Wo sie hingehören, stehen zwei Räder, gut verschnürt. Auf dem Vierer gegenüber sitzen zwei ältere Herrschaften. Beide ein Pärchen in den besten Jahren, die offenbar zu den Rädern gehören. Der Waggon ist nicht sehr voll. Die Frau ohne Rad und ich visieren die beiden freien Plätze bei den beiden an.
„Nein, sie können sich hier nicht hinsetzen. Das ist für Radfahrer.“, sagt die Radfahrerin. Sie meint es ernst.
„Wie jetzt?“ Mir fehlen die Worte. Ich muss mich erstmal hinsetzen und mache das trotz ihres Einspruchs.
„Na, nein, die Plätze sind nur für Radfahrer!“, wiederholt sie.
„Das ist nicht ihr Ernst, oder?“, sage ich. Die Dame mit dem Rad pflichtet mir bei und setzt sich ebenfalls trotzdem hin. „Sie sind also der Meinung, dass hier nur Radfahrer mit einem Fahrrad sitzen dürfen?
„Ja! Sicher! Da ist ja auch das Zeichen!“ Sie weist auf das Piktogramm an der Fensterscheibe.
Eigentlich ist das schon die ganze Geschichte. Das war’s im Großen und Ganzen!
Natürlich haben wir uns noch ein wenig mit der Radfahrerin „ausgetauscht“. Der Radfahrer hatte wohl auch Zweifel an der Logik seiner Partnerin. Zugegeben hat er’s nicht; er hat sich aber aus dem „Autausch“ rausgehalten. Ich habe mich dann auch als regelmäßiger Radfahrer (auch mit der Bahn) zu erkennen gegebe. Die Frau ohne Rad ebenfalls. Ich habe argumentiert, dass es schon schwierig genug ist, Fahrräder mit den Bahnen zu befördern, dass dann so eine Standpunkt alles andere als deeskalierend oder eine Zeichen der gegenseitigen Rücksichtnahme ist. Hat aber alles nix genützt. Sie blieb bei ihrem Standpunkt, dass die Frau ohne Rad und ich illegal und unberechtigt in einem ausschließlich für Radfahrer reservierten Bereich in der S-Bahn saßen.
„Ja, wenn keine Fahrräder in der S-Bahn sind, muss der Platz frei bleiben oder frei gemacht werden, wenn Radfahrer mit Rad einsteigen!“