Am Bahnübergang in Biesdorf. Hier kreuze ich auf meinem Standardweg von und zur Arbeit die S- und Regionalbahn. Wenn das Warnsignal beginnt, hat man noch ungefähr eine Minute, um über die Gleise zu kommen. Hat man Pech, ist die Schranke geschlossen. Hat man richtig Pech, sieht man sie alle: Den Zug der privaten Regionalbahn und die S-Bahnen in beide Richtungen – am Bahnsteig ankommen und abfahren. Es gibt auch eine Fußgängerüberführung mit Treppen und Aufzügen. Doch eins ist sicher: Ist man oben über den Gleisen und dem Bahnsteig, öffnen sich die Schranken.
Hat man aber noch mehr Pech, wartet an der Schranke neben einem ein Radfahrer mit einem Bluetooth-Lautsprecher iso groß wie ein 5-Liter-Faxe-Bierfass.
Die Musik ist so Kacke! Natürlich dieser Berliner Rap-Mist mit ganz viel „die“ und „ihr“ und „deine Mudda“! Eigentlich ist nur Bass und ein grenzdebiler Stimmenmus zu hören. Meine Kontaktlinsen zucken im Takt des Basses.
Ich spreche ihn natürlich an, bitte ihn unhöflich, diesen „Scheiß“ leiser, besser aber noch komplett auszumachen. Er reagiert erwartungsgemäß, aber er überrascht mich doch:
„Nö, Kopfhörer darf man ja nicht! Dann krieg ich Strafe, wenn ich Kopfhörer aufm Fahrrad!“
„So ein Blödsinn…“
Er hört es nicht mehr. Die Schranken sind nun wieder geöffnet. Er rauscht hinter einer Wand aus Geräuschen davon, biegt direkt hinter den Gleisen ab und stört nachhaltig die Ruhe im beschaulichen Wohngebiet.
Klarstellung, Freunde:
Auf der VELO 2019 im Tempelhofer Flughafen gab es einen Stand der Berliner Polizei. Ich habe dort nachgefragt. Es ist natürlich absoluter Quatsch, dass pauschal jede/jeder ein Knöllchen bekommt, der mit Kopfhörern Rad fährt. Richtig ist, dass man ein Knöllchen bekommen kann, wenn man die Sirene des Polizeiwagens oder die Ansprache der Polizisten über das Megaphon nicht mitbekommt, weil man beim Radfahren akkustisch von der Außenwelt abgeschnitten ist. Wenn also die Polizei versucht, mit einem Radfahrer mit Kopfhörern Kontakt aufzunehmen, und es ihr eine gewissen Zeit lang trotz Sirene, Lautsprecher oder direkte Ansprache nicht gelingt, wird man bestimmt zur Kasse gebeten.
Das ist aber keinesfalls Grund genug, gleich mal das ganze Viertel mit seiner Musik – oder was man dafür hält – zu beschallen!