Richtig Radfahren hat für uns mit dem MTB begonnen. Gleich nachdem es möglich war, hat sich mein Bruder ein MTB von Raleigh gekauft, das ich dann später übernommen habe, als er es für ihn mit GT weiterging. Wir waren so begeistert. Die Wellen im Gelände im Norden Berlins waren uns „Mountain“ genug. Es gab viele ausgediente Truppenübungsplätze, auf denen man bis zur Erschöpfung bergauf bolzen, bergab rasen, springen und stürzen konnte. Auf den schwierigen Forstwegen in den ausgedehnten Wäldern haben wir dann auch noch einiges an Ausdauer gefunden, weil wir uns immer wieder verfahren haben.
Es fanden sich bunte Gruppen – mit bunten Klamotten und bunten Rädern unklarer Provenienz. Das Wetter war egal, die Fitness sowieso. Irgendeiner hatte eine Idee von einem Weg, einer Tour. Die anderen folgten, keiner beschwerte sich oder gab sich die Blöße zurückzubleiben.
Im Herbst und Winter wurden die Gruppen dann immer kleiner – und schmutziger. Wir trugen den Schmutz wie den Pokal des Siegers – auf den Sachen, im Gesicht und am Rad. wir waren stolz wie Bolle. Wenn wir nach der Tour auf dem Hof unseres Elternhauses ankamen, blickte unsere Mutter aus dem auf den Hof gehenden Küchenfester nur kurz von der Küchenarbeit auf, zog die Augenbrauen zusammen und schüttelte mit dem Kopf: „Das find’d die nu gut!?“

Daran muss ich auch heute wieder denken – eigentlich immer, wenn ich im Herbst oder Winter im Schmutz unterwegs bin – und anschließend „Mensch und Maschine“ aussieht wie Sau. Ja, das finden die immer noch gut.
Unsere Mutter ist dann schon einige Jahre später gestorben. Dieser und viele andere Sätze von ihr sind mir geblieben.
Mutti, ich vermisse dich.