Radfahren von Berlin aus …

… geht viel besser, als es sich Einsteiger oder Zugezogene vielleicht vorstellen.

Vielleicht ist es ja gar nicht nötig! Trotzdem möchte ich hier aber mal „eine Lanze brechen“ für das Radrevier „Berliner Umland“. Hat es einen Ruf? Wenn der negativ ist, will ich hier vehement widersprechen. Hat man die Innenstadt verlassen und den Speckgürtel erreicht, kann man ganz großartig und vielfältig mit dem Rad unterwegs sein.

Ich sollte aber erwähnen, dass ich stadtrandnah wohne und arbeite. Allerdings liegen Wohn- und Arbeitsort etwa 25 Kilimoter Luftlinie auseinander. Auf den vielen Fahrten hin und her und an Touren am Wochenenden habe ich einen Großteil des Berliner Umlandes erfahren und überall ganz gute Erfahrungen gemacht. An langen Sommerabenden habe ich dann schon oft meinen Heimweg auf 80 km verlängert. Zumindest auf dem Riesen-Speckstück von Kremmen bis Schmöckwitz kenne ich mich ziemlich gut aus.

Verlässt man Berlin, gelangt man in das ebenfalls flache, bewaldete und seenreiche Brandenburg. Etwas strukturschwach sucht dieses Bundesland sein Heil im Tourismus. Brandenburg ist außerdem recht dünn besiedelt. Andererseits sind diese beiden Fakten echt gute Bedingungen für grenzenloses Radvergnügen auf endlosen Landstraßen, in dichten Wäldern, von See zu See, ab und an durch ein verschlafenes Örtchen mit manchmal ulkigen Namen – und das nicht selten auf frischen und gut gepflegten Radwegen. Den Wind hat man mit den vielen Windrädern immer im Blick. Wer gut plant, lässt sich auf den freien Wiesen und Feldern vom Wind schieben und stiehlt sich in Wäldern vorm Wind geschützt zurück nach Hause.

Die Wälder sind größtenteils eng durchzogen von Forstwegen. Die größten Wege sind den einschlägigen Routingservices bekannt. Wer’s also etwas rauer und ruppiger mag, verlässt die Straße bspw. Richtung Norden in Buch und schlägt sich von dort aus durch die Wälder bis zum Liepnitzsee, zum Hellsee, zum Obersee, zu den Wukenseen bei Biesenthal, zu den Seen bei Prenden oder immer weiter bis zum Werbellinsee. Dabei geht es immer schön in kleinen Dosen rauf und runter. Da kann schon einiges an Höhenmetern zusammenkommen. Ganz bestimmt gibt es ähnliche Empfehlungen auch in fast jede andere Himmelsrichtung.

Ein weiteres Plus – auch für die Radler aus der Innenstadt: Ziemlich schnell kommt man mit der S- oder Regionalbahn aus der Stadt in den Speck – und wieder zurück, wenn die Puste mal doch nicht für den ganzen Weg zurück reicht. KW, Birkenwerder, Zeuthen, Wannsee, Potsdam, Bernau, Buch, … – ab dort kann man nahezu beliebig kurze und lange Touren planen und hat meist immer einen oder gleich mehrere Seen dabei.

Oder man plant gleich noch eine Nummer größer, durchquert das Brandenburger Seenland und schaut sich auf dem Rad auch noch in der Mecklenburger Seenplatte um. Für mich wird das Seengebiet bereits am brandenburgischen Stechlinsee so richtig schön. Von dort durch den Wald (mit dem Renn-, Tourenrad oder dem MTB, egal!) sind es nur etwa 11 km ins mecklenburgische Strasen, wo man dann mittendrin ist in der Mecklenburgischen Seenplatte.

Oder man folgt der Einladung von bekloppten Freunden, trifft sich gegen 6:30 Uhr im Berliner Norden und fährt, bis man in Ückeritz an der Ostsee ankommt. Der Ortseingang wird dann in der Regel als Sprint ausgefahren. Kann man machen; muss man aber nicht!

Das einzige, was dem Berliner Revier fehlt, sind natürlich die richtigen Berge. Aber dafür muss man nicht so oft bergauf.

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