Im Norden Berlin gab es früher noch viel mehr Straßenbahnlinien.
Straßenbahnen gibt es in Berlin seit 1865, erst als Pferdebahnen, später als Elektrische. Nachdem 1967 die verbliebenen drei Linien im Westteil Berlins eingestellt wurden, sind Straßenbahnen ein rein Ost-Berliner Phänomen – mit wenigen Ausnahmen von Linien, die nach 1990 in den Westteil der Stadt verlängert wurden. Trotzdem gilt das Berliner Straßenbahnnetz als das drittgrößte weltweit. Aber auch im Osten Berlins wurden unrentable Linien eingestellt. Gelegentlich wurden dabei aber einfach nur die Gleise entfernt und der ehemalige Gleiskörper mit Teer aufgefüllt.
Auf diesen Teerwegen im Kopfsteinpflaster spielen sich heute täglich kleine Kämpfe ab.
Im Dämmerlicht kommt mir auf einer dieser stillgelegten Trassen ein Auto entgegen. Es hat geregnet und ist noch immer ziemlich nass. Ich bin gut beleuchtet und fahre zunächst mitten auf dem Asphaltstreifen, an dessen Rändern früher die Gleise lagen. Links und rechts des kleinwagenbreiten Asphalts gibt es jeweils etwa einen Meter Kopfsteinpflaster, dann auf beiden Seiten parkende Autos.
Das Auto nimmt mich wahr,… Noch kann ich nicht erkennen, ob es männlich oder weiblich gelenkt wird. Das ist in jedem Falle erheblich! …es wird langsamer, bleibt aber mit allen vier Rädern auf dem Asphalt. Jetzt bin ich so dicht ran, dass ich nur noch im Schritttempo fahre. Wir nähern uns weiter an. Ich erkenne die Fahrerin, die offenbar keine Idee hat, was sie mit der Situation anfangen soll.
Offenbar hält sie es auf dem glatten Asphaltstreifen für sicherer und wartet ab, dass ich mit dem Fahrrad auf das Kopfsteinpflaster ausweiche. Verrückt! Ich würde gerne auch einen schmalen Streifen des Asphalts für meine schmalen Reifen nutzen und denke mir, dass es doch einfacher und sicherer wäre, mit zwei von vier breiten Autoreifen auf regennasse Kopfsteine auszuweichen als mit zwei von zwei schmalen Fahrradreifen. Sie sieht das anders. Am Ende steht sie mitten auf der Straße, mitten auf dem Asphaltstreifen und sieht weg, als ich an ihr vorbei – auf dem Kopfsteinpflaster – die Situation auflöse.
Da ich ihr ansehe, dass sie überfordert und noch neu im Geschäft ist und ich im Hinterkopf meine verständnisvolle Liebste „Sie ist doch auch nur unsicher!“ sagen höre, sage ich nichts! Dann schreibe ich es eben später auf.