Unterwegs auf Rügen. In der besonderen Coronazeit haben wir uns doch gegen die Wander- und Radtour am Dachstein in Österreich entschieden. Ich habe das Rennrad mit auf die Insel genommen, genieße die Seeluft, die klassischen Ausblicke – und kämpfe mit dem rauen Wind aus West. Auf der zweiten Hälfte meiner Tour habe ich den Wind von hinten. Vorfreude!

Ich fahre von Prora über Saßnitz durch die Jasmunder Wälder. In den Wäldern ist es wunderbar frisch, und es geht immer gut rauf und runter. Wieder in der Sonne, die jetzt einiges an Kraft zugelegt hat, geht’s weiter durch Glowe, an der Schaabe entlang bis nach Juliusruh. Auf der Abfahrt von Blandow gibt es einen weiten Blick auf das Meer, das Kap Arkona, die Boddenseen und die zergliederte Insel. Ab Glowe ist die See dann nur noch gelegentlich zu sehen. Bei Juliusruh verstellen einigen Ferienhaussiedlungen und Ferienanlagen den Blick auf das Meer. Irgendwo hier hatte die AdW ein Ferienlager. Mit 10 bis 13 war ich hier einige Male mit meinem Bruder im „Sommerlager“. Alle anderen waren aus Berlin, quasi aus dem gelobten Land, quasi aus dem „Westen“. Es kribbelt wohlig ein bisschen, als ich daran denke. Schöne Erinnerungen.
Hinter Juliusruh geht es rechts ab auf einen Plattenweg vorbei am Campingplatz Drewoldke in Richtung Kap Arkona. Immer wieder führt der Weg dicht an die Steilküste und erlaubt Blick nach Nordosten aufs Meer und den Jasmunder Buckel.

Mir kommt ein roter VW-Transporter mit einheimischem Kennzeichen entgegen. Er verringert seine Geschwindigkeit, bleibt aber auf beiden Plattenspuren. Mit meinen dünnen Rädern will ich nicht auf den Grasstreifen ausweichen und werde deshalb ebenfalls langsamer, bis wir uns beide gegenüberstehen. Der Fahrer streckt seinen Kopf aus dem Fenster und sieht mich fragend an. Ich frage ihn ironisch, ob ich nun ihm ausweichen soll. Es wäre doch für ihn viel einfacher und sicherer. Seine Antwort (mit schrecklich sächsischer Färbung): „Na, klar (nu kloar)! Du siehst doch. Der Weg hat zwei Spuren, und ich habe zwei Räder nebeneinander. Dann ist doch alles klar!“ Er bleibt stehen und wartet darauf, dass ich ihm den Weg auf beiden Platten freigebe.
Ich bin kurz verblüfft und antworte „Im Ernst? Oh je, bist du doof!“, bin dann aber schnell wieder sortiert und nutze meine langsame Vorbeifahrt auf dem Rasenstreifen für eine Reihe weiterer Meinungsäußerungen. Er gibt sich sehr entspannt und wünscht mir einen schönen Tag. Super doof ist der Sachse trotzdem.