Neulich am Helmholtzplatz, am Helmi. Da ist normalerweise immer viel los. Wuhliges Leben im Prenzlberg. Mittendrin und in jeder Hinsicht „Berlin“. Am Vormittag lässt es der Kiez noch ruhig angehen. Die meisten Läden und Lokale scheinen die Corona-Krise überstanden zu haben, starten routiniert behutsam in den Tag, stellen die Möbel draußen zurecht und bieten genügend Platz für den geforderten Abstand.
Der alte EDEKA an der Ecke Schliemannstraße sieht verrammelt aus. Wie schon immer! Ich kann nicht erkennen, ob er noch geöffnet ist. Gegenüber auf den Tischtennisplatten dösen einige Obdachlose in ihren Schlafsäcken. Einer putzt sich die Zähne. Hinter den flachen Zäunen und Sträuchern, auf den Spielplätzen toben und schreien die Kids aus der Nachbarschaft. Vor den Cafés und Eisdielen genießt man das Leben, die Sonne, den Latte und Co. Für die Geschäftigen aus den Coworking-Spaces & -Offices auf der Pappelallee ist es noch viel zu früh.
Mit dem Rad fahre ich scheinbar ziellos umher. Ich suche nach einer vom Aussterben bedrohten Spezies – besonders hier: einem Schuhmacher. Ich finde tatsächlich einen und frage mich, wie er es schafft, in dieser Nachbarschaft zu überleben. Direkt nebenan meets Victoria Albert und Lila Lämmchen. Um die mache ich mir weniger Sorgen als um den Schuster. Er kann mir nicht helfen (Siehste!) und schickt mich weiter zur Schönhauser.
Mitten auf der Kreuzung steht ein kleines rotes Auto. Die Frau auf dem Rad vor mir nähert sich langsam und unsicher an und hält dann neben der Fahrertür an. Ich erwarte eine Auseinandersetzung zwischen Auto und Rad. Stattdessen beugt sie sich ins Auto und küsst den/die Fahrer*in. Schön! Genau das hat diesem entspannten Morgen noch gefehlt. Liebe!
Vielleicht hat er/sie am Steuer mich im Rückspiegel wahrgenommen, wie ich mich ebenfalls langsam und sehr verständnisvoll annähere, und wird sich des ungünstigen Ortes für dieses „Tete-a-Tete“ bewusst – gibt Gas, biegt links ab und fährt die Frau mit dem Fahrrad um!