Mutti, lass dein Rad zuhause…

… oder wenigstens am Bahnhof!

Warum macht ihr euch die Mühe, das wahnsinnig schwere und sperrige Holländerrad, mit dem ihr gerade euer Kind in die Kita gebracht habt, mit zur Arbeit nach Adlershof zu nehmen? Ich verstehe es nicht!

Es fällt euch offensichtlich ziemlich schwer, das Gefährt mit der riesigen Schutzhülle über dem Kindersitz und dem Korb vorne, in dem eure Riesentasche steckt, die Treppen rauf zum Bahnsteig zu bekommen. Manchmal ist die Rolltreppe defekt oder der Fahrstuhl blockiert von Leuten, die ihn wirklich brauchen. Auf dem Bahnsteig parkt ihr diese rollenden Ungetüme senkrecht zur Fahrtrichtung der Bahn und somit auch zur Laufrichtung der anderen Fahrgäste – so, dass ihr dann direkt geradeaus in den Zug reinpoltern könnt. Natürlich wisst ihr längst ganz genau, wo die Tür zu eurem Lieblingsplatz sein wird.

Im Zug stellt ihr die Räder dann auf ihre praktischen Klappständer, die so stabil (und ausladend) sind, dass ihr eigentlich auch im Sattel bleiben könntet. Das geht aber nicht, weil ihr, nachdem ihr etwa das halbe Radabteil mit eurer Hardware blockiert habt, euer 15“-Notebook auspackt und schon mal die Mails checkt oder an einem Paper weiterschreibt. Zwischen eurem Notebook und dem geschützten Kindersitz kommt nun niemand mehr durch. In Adlershof steht ihr dann wieder am Fahrstuhl an oder gefährdet andere Fahrgäste beim Versuch, das Schwergewicht über die Rolltreppe vom Bahnsteig runter zu bekommen.

Aber warum nehmt ihr die Räder überhaupt mit? Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr nach der Arbeit die Strecke zurück mit dem Rad fahrt. Die Zeit und Energie für eure Strapazen an den Bahnhöfen ließe sich gut für einen kurzen Fußweg zum Büro nutzen. Auch mit Bussen oder der Tram kommt ihr eigentlich immer schnell weiter. Glaubt ihr, dass euch jemand die Familienkutschen am Heimatbahnhof wegklaut? Das passiert übrigens vor den Büros in Adlershof genauso oft und öfter, wie man hört.

Einmal habe ich als Öffi-Fahrgast eine Mutti beobachtet, wie sie zwei Stationen ein Rad mit in die Tram nahm und dann in Adlershof mit dem Rad in die S-Bahn umstieg. Das Wetter war frühlingshaft sonnig! Das Rad hatte keinen Platten!

Auch da habe ich mich am Ende doch nicht getraut, meine kleine geplante Interviewserie zu diesem Thema zu beginnen und mal nachzufragen. Die Damen wirken bei ihrem Tun so selbstsicher und unreflektiert, dass ich mich davor fürchte, bei einer Nachfrage zum „Warum denn?“ ordentlich was zu hören zu bekommen.

Von den Unmutsäußerungen der anderen Fahrgäste bekommt ihr leider nur wenig mit, weil ihr gar nicht auf die Idee kommt, dass sie sich auf euch beziehen. Mein Gefühl ist, dass sich die Stimmung in den Bahnen in den Stoßzeiten durch dieses unreflektierte Verhalten spürbar verschlechtert und der Ton dann allen Bahn/Rad-Pendlern gegenüber rauer wird. Gegenüber denen, die das Rad mitnehmen, weil sie es wirklich brauchen oder für die Rückfahrt auf die Bahn verzichten oder …

Oder auch für die, die grundsätzlich Rücksicht auf die Anderen nehmen, wenn sie das Rad dabei haben.

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