Die brauche ich. Kann mir jemand eine App basteln, die mich warnt, wenn ich im Fadenkreuz stehe? Manchmal fühle ich mich im tiefen Wald doch recht seltsam und beobachtet.
Zum Erstellen neuer Routen nutze ich die Internetseite des OpenRouteService der Uni Heidelberg. Tolle Seite, toller Dienst. Aber Vorsicht: Bei der Auswahl der Routing-Option „Moutainbike“ kann es schon mal ruppig werden. Heute forderte mich der Strich auf dem Wahoo zum Abbiegen auf, wo offenbar kein Weg war – zumindest nicht auf den ersten Blick. Ich habe mir aber angewöhnt zu versuchen, irgendwie der Empfehlung zu folgen. Die Alternativen sind meist viel länger – und meist viel langweiliger.
(Ich werde OpenRouteService ganz bestimmt auch weiterhin benutzen, muss aber noch besser aufpassen, wenn die Datenlage auf der zugrundeliegenden OSM-Karte dünn zu sein scheint. Mein Verdacht ist, dass sich die Programmierer im Falle „dünner Daten“ und bei Auswahl der Option „Mountainbike“ den Spaß machen, zwischen zwei zufälligen Punkten auf festen Wegen ihre Initialien in die Routenführung einzusetzen.)
Der S-förmige Weg durch das Unterholz war heute eher zu spüren als zu sehen. An manchen Stellen schien unter dem frischen Herbstlaub der Untergrund fester als nebendran. Anderswo waren die Äste bereits gebrochen und lagen tiefer im Laub. Pathfinding! Irgendwann brauch ich dann aus dem Unterholz – und kannte mich wieder aus.
Als ich unterwegs vom Rad absteigen und über einen umgestürzten Baum klettern musste, ließ ich kurz den Blick durch den umliegenden Wald schweifen. Bei leichtem Nieselregen und Dämmerlicht war es dann schon ein kleines Bisschen unheimlich. Das war echt so ein Blair-Witch-Project-Wald. Und da dachte ich mir, ob mich wohl jetzt oder auf dem Weg hierher irgendwelche Kreaturen des Waldes wahrgenommen und kurz abgewogen haben, ob ich ein Opfer sein könnte.
Und danach dachte ich, dass es doch toll wäre, wenn es eine kurze Nachricht aufs Handy oder auf das Display am Lenker gäbe, wenn man – wenn auch nur für den Bruchteil einer Sekunde – als das Opfer, als die Beute betrachtet wurde.
Es wäre doch gut zu wissen, ob die animalische Überlegung des etwa 29 Zoll großen Hundes, der mir ohne Leine und ohne Herrchen mitten im Wald entgegen kommt, der kurz innehält und mir dann entgegen sprintet, zu meinen Gunsten oder zu meinen Ungunsten ausgefallen ist.
Was geht dem gelangweilten Jäger durch den Sinn, der schon so lange seine Büchse nicht mehr abfeuern durfte, wenn er mich von seinem Ansitz herab mit dem Zielfernrohr betrachtet. Nur wenige Millimeter darunter zeigt ein Projektil auf das gleiche Ziel. Sein Finger spielt am kalten Metall des Abzugs. Allmachtsgedanken kommen auf!
Ich könnte mir schon vorstellen, dass der Fuchs im dichten Farn ganz kurz darüber nachdenkt, ob er es nicht versuchen sollte. Die Wölfe kommen doch auch in die Brandenburger Wälder zurück. In Rudeln stehen die Chancen doch gar nicht so schlecht. Der Habicht auf dem Baum – mit seiner Hybris von oben herab? Versuchen kann man es ja, abdrehen kann man dann immer noch!
So eine App muss doch zu machen sein. James Bond – Den neusten habe ich gestern gesehen! – weiß doch auch immer, wenn sein Aston Martin oder der Düsenjet, den er auf einem russischen Flohmarkt geklaut hat, im Fadenkreuz der Verfolger steht.
Mach mal, Q! Du weißt ja, wo du mich findest!
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