So ein schöner Radweg!

Unglaublich glatt und unversehrt liegt ein breites, satt schwarzes Tuch im Wald. Weiter hinten geht es über, erst in Anthrazit dann in Weiß. Lichter Wald, der behutsam auf Abstand gehalten wird, wartet geduldig und bescheiden auf den Frühling. Angenehm unaufgeregte Brauntüne beherrschen das Bild, ganz zaghaft versucht sich Grün am Bunten, selbst der Himmel nimmt sich als Hintergrund zurück, stört nicht mit lautem Blau.

Der Weg ist fast sechs Meter breit und führt geduldige fünf Kilometer durch einen Wald, der nur ganz selten Blicke auf anderes als Bäume und Laub des letzten Jahres zulässt. Es geht kaum auf und ab, ganz seicht mal links, mal rechts herum. Einige Abzweigungen verlieren sich in Waldwegen, die keine großen Abenteuer versprechen. Es geht vorbei an einigen Gehöften, in denen keine Hunde anschlagen, keine Menschen zu sehen sind, die aber trotzdem nicht verlassen aussehen. Im Gegenteil, sie wirken einladend, strahlen eine heimelige Ruhe aus und vermitteln das Versprechen von Hilfe und Sicherheit.

So könnte es ewig weiter gehen. Wenn dieser Weg nie aufhört, wäre das heute gar nicht schlimm. Die Gedanken kommen zur Ruhe, während die dünnen Reifen auf dem Asphalt fast keine Geräusche machen. Ein tiefes Glücksgefühl! Auf freiem Feld ginge es gegen einen gemeinen Aprilwind, hier bleibt er außen vor, rauscht nur leicht in den Kronen der hohen Bäume und beraubt sich seiner Kraft dabei. Hypnotisiert von rhythmischer Stille muss ich mich fast zwingen, mehr als nur den Weg ohne Ziel wahrzunehmen. Ich genieße das Alleinsein in vollen Zügen und schalte einige Gänge runter – geistig.

Aber leider wird es so nicht ewig weiter gehen. Mitte Mai machen die die Straße zwischen Lanke und Lobetal auch für die Autos wieder auf, von denen sich auch jetzt schon einige an den Baustellensperren vorbeimogeln und einige Kilometer Umweg sparen. Noch ist die Gelegenheit aber günstig, ziemlich allein im Wald unterwegs zu sein.

Ich werde bis Mitte Mai hier sicher noch einige Male vorbeikommen, vielleicht sogar mehrmals pro Tour. Aber auch mit normalem Verkehr ist nun eine der schlechtesten Landstraßen nördlich Bernaus kein Problem mehr.

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