… und jetzt ins HomeOffice!

Eines ist klar: CORONA ist eine blöde Kuh! Daran ist nichts Gutes! Aber solche Augenblicke lassen sich nun einfacher realisieren!

Am Morgen gegen 7:00 Uhr lacht mich die Sonne aus dem Bett. Die Spatzen im Garten sind schon seit einigen Stunden wach und machen in den Büschen ordentlich Rabatz. Es wird wieder ein herrlicher Sommertag, aber auch ein langer Arbeitstag. So richtig beginnen die Telefonate und Meetings aber erst gegen späten Vormittag, dafür gehen sie bis weit in den Abend. Wenn ich mich erst dann auf den Weg an die Seen im Norden Berlins mache, finde ich da bestimmt kaum noch ein freies Plätzchen und kaum Entspannung.

Schnell werfe ich ein minimales Frühstück ein, packe – für den Notfall – eine Badehose ein und mache mich schon gegen 7:30 Uhr auf den Weg. Mit der Sonne im Augenwinkel lasse ich nach wenigen Minuten die letzten Siedlungen am Rande der Stadt hinter mir und biege nach etwa 20 Minuten in Schönerlinde in die Bucher Forsten ein. Vom gut ausgebauten Radweg Richtung Norden geht es nahtlos über in schnelle Wiesen- und Forstwege. An der ersten Wegkreuzung weiß ich, dass ich Berlin verlasse habe und nach Brandenburg überwechsle. Bis zum Liepnitzsee sind es ziemlich genau 25 km, nach insgesamt einer Stunde bin ich da. Die letzten Meter sind dann noch richtig „crossig“, führen mich aber bis direkt ans Ufer. Und tatsächlich kann ich mir so früh am Werktagsmorgen die Badestelle aussuchen. Ich bin hier ganz allein.

Nur wenige Handgriffe später stehe ich – noch einen Moment zögernd, um mir vollends dieses Glücks bewusst zu werden – im herrlich frischen und klaren Wasser und freue mich riesig darüber, den Morgenmuffel überwunden zu haben und mich im nächsten Augenblick kopfüber in dieses Glücksgefühl stürzen zu können. Laut prustend tauche ich auf, geblendet von der noch immer tief stehenden Sonne, die sich tausend- und millionenfach auf den zarten Kräuseln des Wassers bricht und auch von unter Wasser zu leuchten scheint. Nach nur wenigen Zügen mache ich kehrt und rüste mich gedanklich für den schnellen Abschied.

In einer Stunde will ich wieder zuhause sein und weiß, dass ich dazu richtig reintreten muss. Ich rufe mir ins Gedächtnis, dass ich mich hier nur ganz kurz abkühlen und für einen heißen Tag rüsten wollte, obwohl ich nun den Drang verspüre, diesen kostbaren Augenblick noch einige Minuten – oder einige Stunden oder ewig – festzuhalten und zu dehnen. Entschlossen steige ich noch nass in die Radsachen, merke aber schon jetzt, dass das kleine Frösteln nicht lang anhalten wird. Der Sommertag nimmt Fahrt auf! Auf geht’s zurück an den Schreibtisch!

Ich bleibe dann doch noch für den Rest der Runde um den See am Wasser und verliere dabei bestimmt noch einmal zehn Minuten Arbeitszeit, gewinne aber auch zehn Minuten Riesenspaß und einige der schönsten Blicke eines Brandenburger Sommermorgens! Den Rest des Rückweges geht es dann im höheren Drehzahlbereich – im gestreckten Galopp dahin. Immer noch erfrischt, aber etwas feuchter als beim Verlassen des Sees, kehre ich an den Arbeitsplatz zurück. Ich bin wunderbar erschöpft, aber voller Tatendrang, fühle mich großartig und gerüstet.

Aber … möglich wurde das nur durch eine Pandemie, die die ganze Welt überrollt hat und in vielen Familien viel Leid und Schmerz verursacht hat. Menschen haben einander, ihren Job, ihr Einkommen, ihre berufliche Existienz verloren. An dieser Pandemie ist nichts Gutes. Und doch kann ich mir heute ein Leben ohne die Dinge, die diese Pandemie möglich gemacht hat, nicht mehr vorstellen. Sie hat mir Freiheiten verschafft, um die ich seit Jahren gekämpft habe – und die ich nun wie „einen Schatz“ zu pflegen, wertzuschätzen und grundsätzlich sehr gewissenhaft zu nutzen gedenke. Hörst du, Chef’chen?

Am heutigen Tag sind auf meinem Schreibtisch keine Aufgaben liegen geblieben, und am heißen Nachmittag habe ich sogar noch einige neue und ungeplante Dinge erledigt.

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